Zeitraum von der Vereinsgründung 1913 bis zum 2. WeltkriegIn der Waldeckischen Landeszeitung wurde am 17. April 1913 folgender Artikel veröffentlicht: „Usseln, 17. April. (Fußballspielclub) Im fleißigen Orte hat sich ein Fußballspielclub gegründet. Der junge Verein zählt zur Zeit schon 30 Mitglieder. Zum Vorsitzenden ist Herr Sattlermeister Schreiber jr. gewählt. Als Sportplatz dient das Marktgelände.“ Der erste Sportverein in Usseln hatte sich gebildet. Um auch Jugendlichen die Teilnahme an der Gründungsversammlung zu ermöglichen, wurde als Gründungslokal nicht ein Gasthaus, sondern die Sattlerwerkstatt von Wilhelm Schreiber gewählt (das Schreibersche Haus ist 1978 abgebrochen worden und musste dem Neubau Sport- Wilke mit angrenzender Gaststätte „Alt Usseln“ weichen). Anlass zu der Gründung war die aufkommende Sportbegeisterung, und außerdem hatte Anton Jäkel- Unterschulte aus Wuppertal einen Fußball mit nach Usseln gebracht, eine wichtige Voraussetzung, wenn man Fußball spielen will. 15 Gründungsmitglieder trafen sich zur Gründungsversammlung. Mehrere Gründer gehörten dem Pfadfinderbund „Jung- Deutschland“ an, der bei der Taufe des neuen Vereins Taufe stand. So kam der Name „Jung- Upland“ zu Stande. Hauptanliegen des Vereins war zunächst der Fußballsport. Aber auch 1913 wurde schon eine Wintersportabteilung ins Leben gerufen, die fortan als Skiclub bezeichnet wurde und sich im selben Jahr mit einem Motivwagen am Umzug bei der landwirtschaftlichen Ausstellung in Korbach beteiligte. Das erste Fußballspiel des neuen Vereins fand bereits im April 1913 statt. Darüber schrieb die Waldeckische Landeszeitung am 30.04.1913: „Usseln, 28. April. (Sportverein) Am Sonntag war auf unserem Sportplatze ein reger Betrieb. Vom Sportverein Korbach waren 25 Spieler erschienen, um uns ein Fußballspiel vorzuführen. Zahlreiche Zuschauer hatten sich eingefunden, um dem schönen Sport zuzusehen. Nachdem die Korbacher ein Spiel vorgeführt hatten, wurde noch gemeinsam zwischen Korbach und dem hiesigen Verein gespielt. Hierauf versammelte sich die Sportkollegen beim Herrn Gastwirt Brüne, wo Lieder und Vorträge die Unterhaltung verschönerten. Hoffentlich wird der Sportverein Korbach uns recht bald wieder durch einen Besuch erfreuen.“ Beim Rückspiel in Korbach, nur 14 Tage später, erreichten die Usselner ein hoffnungsvolles Unentschieden (2:2). Als Sportplatz dienten das oberhalb des Schützenzeltes liegende Marktgelände und ein Stück des heutigen Sportplatzes. Es war schon eine holperige Angelegenheit, auf diesem buckligen Gelände Fußball spielen, zumal der Platz von Tor zu Tor hängig war. Hauptsache war aber, dass mit viel Begeisterung Fußball gespielt werden konnte. Auf dem Lande war es noch etwas ganz Ungewöhnliches, dass sich junge Leute in Sportkleidung vor den Augen der Öffentlichkeit zeigten, obwohl die Turnhosen noch bis zum Knie oder über das Knie reichten. Manch Angehöriger der älteren Generation wird den Kopf geschüttelt haben über die „neue Zeit“. Das muntere Treiben des jungen Vereins wurde durch den ersten Weltkrieg jäh unterbrochen. Viele Vereinsmitglieder wurden zu den Waffen gerufen, viele kehrten nicht zurück. Nach dem ersten Weltkrieg dauerte es eine Weile, bis der Sportbetrieb wieder in Gang kam. Wiederum Wilhelm Schreiber und Hermann Vogel- Liesen waren mit die treibenden Kräfte. Im Jahre 1920 bildete sich neben dem Sportverein „Jung- Upland“ der Turnverein „Jahn Usseln“. Hier war es der unvergessene Anton Jäkel, in Usseln „Turnvater Jahn“ genannt, der sich mit der den Turnern eigenen Begeisterung für den Turnbetrieb in Usseln einsetzte. Der Turnverein war es, der auch in kultureller Hinsicht den Ablauf des dörflichen Lebens bereichern wollte. Sein 1. Stiftungsfest feierte der junge Verein am 11. September 1921. So bestanden nun in Usseln zwei Sportvereine, die beide sehr aktiv und insbesondere bestrebt waren, den Jugendlichen viele Möglichkeiten der sportlichen Betätigung zu bieten. Am 01.01.1922 wurde der Sportverein „Jung- Upland“ Usseln in den Westdeutschen Sportverband aufgenommen und der Gruppe Waldeck zugeteilt. Am 12.06.1922 veranstalteten die Usselner das erste „Sportwerbefest des Uplandes“, verbunden mit leichtathletischen Wettkämpfen. Mit dem Usselner Fußball klappte es allerdings nicht so richtig. Beim Spielbetrieb traten immer wieder Pausen ein. An den Verbandsspielen 1922/23 nahm der Verein wieder voll teil. Die erste Mannschaft spielte in der C- Klasse gemeinsam mit Stormbruch, Goddelsheim, Buchenberg, Korbach 3, Arolsen 2 und Rattlar. Sie wurde sogar mit 9:3 Punkten Herbstmeister. Vielfältig war die Tätigkeit des Turnvereins „Jahn Usseln“. Turnen (auch Preis- und Musterriegenturnen), Theatervorführungen und Gesangsdarbietungen bei Festlichkeiten standen oft auf dem Programm. Der Verein sorgte nach den Grundsätzen der deutschen Turnerschaft für eine gute Breitenarbeit. So wurde beispielsweise am 16. und 17. Juni 1923 das erste Bezirksturnfest in Usseln gefeiert. Pfingsten 1923 begannen die Jung- Upländer mit einer Tradition, die heute noch besteht. Am ersten und zweiten Pfingsttag feierten sie das „Pfingstsportfest“, bei dem Fußball im Vordergrund stand. Im September 1924 fanden in Usseln die „Reichsjungendwettkämpfe“ der Gruppe Upland statt. Zu dem blühenden Vereinsleben in Usseln kam 1925 ein weiterer Verein hinzu. Einige Wintersportfreunde gründeten einen besonderen Wintersportverein. In der Waldeckischen Landeszeitung stand damals: „Usseln, 7. Dezember. Unter zahlreicher Beteiligung der Bevölkerung und auswärtiger Sportfreunde wurde am vergangenen Sonntag ein Wintersportverein gegründet, der sich die Pflege des Wintersports zur Aufgabe gemacht hat. Gerade das Gelände in Usseln eignet sich ausgezeichnet zum Skilaufen und Rodeln. (...) Die Freunde des Schlittschuhlaufens werden darauf aufmerksam gemacht, dass demnächst auch die 5000qm große Diemeleisbahn dem Verkehr übergeben wird.“ Der Verein nannte sich dann „Wintersportverein Kahler Pön Usseln“. Zu dieser Zeit war der „Kahle Pön“ tatsächlich noch kahl. Der Sportverein „Jung- Upland“ feierte am 26.08.1928 im Rahmen eines Pokalfestes sein 15- jähriges Bestehen. Mehrere Fußballmannschaften wurden eingeladen. Pokalsieger wurde Medebach, die im Endspiel die Usselner Mannschaft mit 2:1 besiegte. Am gleichen Tag konnte endlich der lang ersehnte neue Sportplatz an der Stelle eingeweiht werden, wo er heute noch zu finden ist. Ein wichtiger Tag in der Vereinsgeschichte war der 7. Juli 1932. Der Sportverein „Jung- Upland Usseln“ und der Turnverein „Jahn Usseln“ schlossen sich zum „Verein für Leibesübungen Usseln“ (VfL) zusammen. Auszug aus der Waldeckischen Landeszeitung: „Usseln, 14. Juli. Gründung des Vereins für Leibesübungen (VfL). Schon mehrere Male in den verflossenen Jahren waren hier aus ideellen und wirtschaftlichen Gründen Bestrebungen im Gange, den Sportverein „Jung- Upland“ und den Turnverein „Jahn“ zu verschmelzen, zumal die Ziele beider Vereinigungen letzten Endes dieselben sind. Diese Bestrebungen scheiterten hauptsächlich daran, dass die Bestimmungen der Deutschen Turnerschaft (D.T.), des Deutschen Fussball- Bundes (D.F.B.) und der Deutschen Sportbehörde für Leichtathletik (D.S.B.) vorsahen, dass Mitglieder eines Verbandes sich nicht in einem anderen betätigen durften. (...) Für die hiesigen Turner und Sportler war es deshalb eine Selbstverständlichkeit, beide bestehenden Vereine zu einem neuen zu vereinigen. Am 7. Juli fand im Kleinhans`schen Saale die Gründungsversammlung statt. Der Verein führt den Namen: „Verein für Leibesübungen Usseln“ und ist der Deutschen Turnerschaft angeschlossen. Zum 1. Vorsitzenden wurde Herr Lehrer Giebeler einstimmig gewählt.“ Der Sportverein brachte 53,32 Reichsmark, der Turnverein 22,81 Reichsmark mit in die Ehe. Dem neuen Verein schloß sich im November 1932 auch der Wintersportverein „Kahler Pön“ an. Von nun an - bis zum heutigen Tage - werden in Usseln die sportlichen Belange vereint vertreten. Innerhalb des vereinten Vereins erhielt die Wintersportabteilung einen Sonderstatus. Nach außen blieb sie die Ortsgruppe Usseln des Skiclubs Sauerland und führte auch eine eigene Kasse. Am 22.11.1932 wurde der Lehrer Konrad Giebeler (im zweiten Weltkrieg gefallen) zum ersten Vorsitzenden des neuen „Großvereins“ gewählt. Ein wichtiger Abschnitt in der Geschichte des Vereins ging 1933 zu Ende. Die zwanziger Jahre waren gekennzeichnet durch eine intensive Aufbauarbeit, wobei es nicht in erster Linie darum ging, Spitzenleistungen zu erzielen. Vorrangiges Ziel war es, möglichst viele Menschen und vor allem die jüngere Generation der Sportbewegung näher zu bringen. Sie sollten vom gesundheitlichen Wert einer sportlichen Betätigung überzeugt werden. Dazu gehörte damals viel Idealismus. Die Vereinskassen waren meistens leer. Der geringe Beitrag, den man nur erheben konnte, reichte vorne und hinten nicht. In der wirtschaftlichen schlechten Zeit Anfang der dreißiger Jahre wurde der Beitrag für Arbeitslose auf 15 Pfennig pro Monat festgesetzt. Mit der Bahn, zu Fuß, mit Fahrrädern oder auch mit Leiterwagen ging es zu den auswärtigen Sportveranstaltungen. Der ganze Sonntag musste dabei geopfert werden. Im Jahre 1933 folgte der politischen Umwälzung die so genannte „Gleichschaltung“. Der gesamte Sport wurde in das politische Geschehen jener Zeit einbezogen und musste sich den Zielen der politischen Macht unterordnen. Alle bisherigen Turn- und Sportverbände wurden aufgelöst. An die Spitze des Deutschen Reichsbundes für Leibesübungen wurde ein Reichssportführer gestellt. Der Kreis Waldeck gehörte als 6. Kreis zum Gau XII Hessen. In der Mitgliederversammlung des VfL Usseln am 08.05.1933 ist erstmals vom „Wehrsportgedanken“ die Rede. Beim Bezirksturnfest in Usseln am 02. Juli 1933 wurde ein „Gepäckmarsch“ durchgeführt. Von nun an stand die „Wehrertüchtigung“ mit im Vordergrund. Das 20- jährige Vereinsbestehen wurde mit einem „Propagandaspiel“ gegen den Sportverein Borussia Bochum begangen. Bis 1934 wurden noch einige Versammlungen abgehalten. Dann stellte der Verein seine Arbeit praktisch ein, man hörte vorübergehend nichts mehr von ihm. Von Staats wegen wurde der Sport in einem bis dahin nicht gekanntem Ausmaß gefördert. All das spielte sich ausschließlich innerhalb der NS- Organisation ab. Schon bald nach Beginn des zweiten Weltkrieg kam der Sportbetrieb nicht nur in Usseln sondern im gesamten Bundesgebiet immer mehr zum Erliegen. Viele Vereinsmitglieder und alle wehrfähigen Männer bis hin zu den Jugendlichen waren im Einsatz an allen Fronten oder sonst im Kriegsdienst. Der Krieg brachte unsagbares Leid, den totalen Zusammenbruch Deutschlands und die Teilung unseres Vaterlandes. Er forderte viele Opfer aus Usseln, und auch viele Vereinsmitglieder ließen ihr Leben in den Kriegswirren. Aber nach dem Krieg gab es im Usselner Sport wieder einen Neuanfang. |
|
|










